Künstlerische Forschung

Künstlerische Forschung

Jährlich laden wir zwei künstlerische Forscher:innen dazu ein, die Auseinandersetzung mit Transformationsphänomenen in Stadt und Land zum Gegenstand ihrer Arbeit zu machen. Anknüpfungspunkte zum jeweiligen Jahresthema der AfA dienen uns bei der Auswahl der Positionen als Orientierung. Die eingeladenen Künstler:innen werden in ihrem Recherche- und Arbeitsprozess durch die AfA und ihre Mitarbeiter:innen mit viel Engagement unterstützt. Neben Support durch fundierte Einblicke in die bisherigen Forschungsergebnisse der AfA stellen wir unsere Netzwerke in Stadt und Land zur Verfügung und vermitteln Gesprächspartner:innen, Räume, Materialien etc. Die Ergebnisse dieser spannenden Zusammenarbeit werden abschließend in einer Ausstellung präsentiert.

Ganz andere Wärme

Ein Gründerzeitbau, eine WBS70 Platte, ein Bauernhaus und ein postmodernes Mehrfamilienhaus aus der Nachwendezeit – Karla Zipfel beschäftigt sich mit sozialem Wandel des Landkreises Mansfeld-Südharz und der Stadt Halle anhand archetypischer Wohnhäuser, ihrer Fassaden und Heizquellen.
Es entsteht eine Installation, die mit Modellen von Gebäuden und Heizkreisläufen auf die Verflechtungen von sozialer und physikalischer Wärme verweist. Ob Öl- und Gasheizung, Holzofen, Wärmepumpe oder Solarenergie, Wärme führt nicht zwangsläufig zu sozialem Kitt.

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Michel Klehm

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Michel Klehm

    © Werkleitz 2024, Foto: Michel Klehm

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

Interview mit Karla Zipfel
Was ist, wenn du warst

Einst als unbelebte Materie und Abfallprodukt verkannt, wandelten sich die Halden des Mansfelder Landes zu lebendigen Orten. Pflanzen und Tiere bevölkerten sie, und die Bewohner:innen entdeckten sie neu: als Wanderziele, Schießplätze oder als Treffpunkt für Kultur und Gemeinschaft. Seit 2038 findet jährlich das Haldenfest statt, bei dem die Halden als Wahrzeichen des Bergbaus in einer feierlichen Prozession umrundet werden.
Doch nun sollen die 19 größten von ihnen abgetragen werden – darunter eine Schlackenhalde, eine Kalihalde und 17 Schieferhalden. Die höchsten erreichten bis zu 153 Meter.
In einer fiktionalen Erzählung untersucht Carla Lou West die Halden als schützenswerte Denkmäler und beleuchtet so die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Michel Klehm

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Michel Klehm

    © Werkleitz 2024, Foto: Michel Klehm

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Falk Wenzel

    © Werkleitz 2024, Foto: Michel Klehm

Interview mit Carla Lou West
Solid Waves

Die Videoinstallation von Florian Fischer & Johannes Krell verknüpft drei geologische und kulturelle Formationen zu einer Erzählung über Stoffkreisläufe und Zeit: den Störmthaler See, die Wimmelburger Schlotten und Fossilien aus Muschelkalk. Im Störmthaler See, einem gefluteten Tagebaurestloch, entstehen weiße Trübungen durch eine gesteuerte Kalkung: Kalziumkarbonat wird eingebracht, um Wasserqualität und pH-Wert zu stabilisieren. Von oben betrachtet erscheinen die künstlichen Kalkwolken wie ein Echo uralter Gesteinsbildung. Unter Tage zeigen die Wimmelburger Schlotten, wie Wasser Landschaft formt. Über Jahrtausende durchspülte es die Ablagerungen des Zechsteins, bis oberirdisch Täler und unterirdisch weitläufige Hohlräume entstanden. Der Tanzsaal, eine monumentale Kammer, verbindet geologischen Prozess und menschliche Nutzung. Aufnahmen von Muschelkalkfossilien verweisen auf ein Flachmeer vor 240 Millionen Jahren. Ihre Abbildungen verwandeln versteinertes Leben in Topografien und Reliefs, Karten einer geologischen Erinnerung. So treten drei Formen von Kalk in Beziehung: das künstlich eingebrachte Kalziumkarbonat im See, die vom Wasser ausgehöhlten Schlotten und die Fossilien als Zeugen einer vergangenen Zeit. Kalk erscheint nicht nur als Material, sondern als Medium: er trägt Erinnerung, markiert Brüche und legt Spuren frei, die sich in unsere Gegenwart einschreiben.

Die Ausstellung war vom 30.10.–9.11.2025 in der Großen Ulrichstraße 13 in Halle (Saale) zu sehen. Die Arbeit wurde anschließend (ohne Ton) zur zweiten künstlerischen Forschungsarbeit 10 bis 20 Halden von Emerson Culurgioni verlängert gezeigt.

Beide Arbeiten werden vom 19.–30.11.2025 in einer gemeinsamen Ausstellung im Center Wimmelburg (Schulstaße 1a, Wimmelburg) gezeigt.

    Installationsansicht (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Installationsansicht (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Installationsansicht (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Installationsansicht (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Eröffnung Wimmelburg © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

    Installationsansicht Wimmelburg © Werkleitz 2025, Foto: Michel Klehm

Interview mit Florian Fischer und Johannes Krell
10 bis 20 Halden

10 bis 20 Halden dokumentiert die Abraumhalden des ehemaligen Kupferschieferbergbaus im Mansfelder Land. Daraus entfaltet sich eine filmische, assoziative Recherche, die Landschaft, Geschichte, Mythos und Identität miteinander verknüpft. Ausgangspunkt sind die Erzählungen, die sich mit dem Boden befassen: mittelalterliche Ursprungssagen, literarische Bezüge und zeitgeschichtliche Parallelen zu anderen Bergbauregionen. Zwischen dokumentarischer Beobachtung und experimentellen Strategien eröffnet die Arbeit Fragen nach Eigentum, Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Die Halden erscheinen nicht nur als geologische Restkörper, sondern als kulturelle Landmarken, an denen sich Boden, Erinnerung und Ressourcenkonflikte überlagern. Damit wird die ostdeutsche Bergbauregion zum Reflexionsraum und Projektionsfläche über unser Verhältnis zu Landschaft und die fortdauernde Verflechtung von Vergangenheit, Gegenwart und globalen Krisen.

Die Ausstellung war vom 13.–23.11.2025 in der Großen Ulrichstraße 13 in Halle (Saale) zu sehen.

Im Anschluss ist 10 bis 20 Halden zusammen mit der Arbeit Solid Waves von Florian Fischer und Johannes Krell in einer gemeinsamen Ausstellung vom 19.–30.11.2025 im Center Wimmelburg (Schulstaße 1a, Wimmelburg) zu sehen.

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Falk Wenzel

    Installationsansicht (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Emerson Culurgioni

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Falk Wenzel

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Falk Wenzel

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Falk Wenzel

    Installationsansicht (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Emerson Culurgioni

    Eröffnung (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Falk Wenzel

    Installationsansicht (Große Ulrichstaße 13, Halle) © Werkleitz 2025, Foto: Emerson Culurgioni

    Eröffnung Wimmelburg © Werkleitz 2025, Foto: Falk Wenzel

    Eröffnung Wimmelburg © Werkleitz 2025, Foto: Falk Wenzel

Interview mit Emerson Culurgioni