Wasser fließt – sichtbar in Flüssen, verborgen in unterirdischen Netzen.
Während Seen gekalkt werden müssen, um Ökosysteme im Gleichgewicht zu halten, laufen andernorts Pumpen unermüdlich, damit Stadtteile wie Halle-Neustadt trocken bleiben. Fernwassertrassen versorgen die Region – doch wie lange noch? Welchen Einfluss haben Klimakrise und Strukturwandel auf unsere Wasserinfrastruktur?
Und welche Prozesse gilt es sichtbar zu machen – um (Denk)Strukturen zu wandeln und Menschen zum Handeln zu bewegen?
Über diese und weitere Fragen diskutieren Dr. Mareike Pampus (Geographie, MLU), Matthias Lux (Geschäftsführer der Stadtwerke Halle), Johannes Krell (Dokumentarfilmer) und Linda Leibhold (Gewässerberaterin).
Dass viele Prozesse unsichtbar bleiben, betont Mareike Pampus gleich zu Beginn der Diskussion: etwa das ständige Abpumpen von Wasser in Bergbaulandschaften, um die Umgebung trocken und damit stabil zu halten. Ähnliches passiert in Halle: Die Neustadt wurde auf ehemaligem Schwemmland der Saale gebaut, das Wasser muss heute permanent abgepumpt werden. Solche Eingriffe zeigten, dass der Mensch im Anthropozän zu einer geologischen Kraft geworden ist: „Was wir tun, ist überall in allem sichtbar“, führt die Geografin aus.
Matthias Lux stimmt zu und unterstreicht die Bedeutung von trinkbarem Wasser als unersetzliches Lebensmittel. „Viel schlimmer als ein Leben ohne Strom, wäre ein Leben ohne Trinkwasser“. Die Dürrejahre 2018/19 hätten jedoch gezeigt, wie stark der Klimawandel die Wasserversorgung gefährdet. Deshalb plane die Stadt Halle die Wiederinbetriebnahme eines stillgelegten Wasserwerkes, um für schwankende Verbrauche in der Zukunft gewappnet zu sein.
Klima-, Wasser- und Biodiversitätskrise seien laut Linda Leibhold untrennbar miteinander verbunden. Zugleich haben Menschen die Kulturlandschaften massiv verändert: In den 1970er Jahren wurden Flüsse begradigt und intakte Auen trockengelegt, um mehr landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Heute sänken die Grundwasserspiegel und viele Flüsse könnten weder mit Dürren noch mit Hochwasserereignissen umgehen. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, müsse das Wassermanagement grundlegend verändert und Landschaften stärker renaturiert werden, betont Leibhold. Zwischen Erkenntnis und Umsetzung stünden jedoch bürokratische und strukturelle Hürden, Ängste vor Veränderung und Eigentumskonflikte im Zuge von Landnutzungsfragen.
Alle Beteiligten sind sich einig: „Wasser ist Leben.“ Was sollte also sichtbar werden, damit wir in Zukunft anders über Wasser sprechen und damit umgehen?
Herr Lux weist darauf hin, dass auch Abwasser Beachtung verdiene, da Wasser nicht verbraucht, sondern „ge-braucht“ würde. Johannes Krell schlägt neue Formen des Bewusstseins für Wasser vor, um die Verbindung der Menschen zur Ressource zu stärken.
Am Ende steht die gemeinsame Erkenntnis: Alles hängt zusammen – wir sind Teil des Systems.
Das Gespräch moderierte Felix Kolb.