Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft, wachsender Fragmentierung und aufbrechender Konflikte zwischen den Generationen stellen sich zentrale Fragen: Wie gelingt ein Miteinander zwischen Jung und Alt im Alltag? Braucht es dafür tatsächlich „Brücken“ oder verstellt die Metapher mitunter den Blick auf bereits vorhandene Verbindungen? Und welche Räume sind notwendig, damit Begegnung und Austausch überhaupt stattfinden können?
Im Rahmen der Gesprächsreihe Struktur & Wandel diskutierten die Pfarrerin Hanna Henke und der Politikwissenschaftler Sebastian Kurtenbach zu diesen Fragen und verknüpften dabei persönliche Erfahrungen mit strukturellen Beobachtungen. Hanna Henke beschrieb das „Brückenbauen“ als festen Bestandteil ihres Berufsalltags, als ein Zuhören und Übersetzen zwischen Generationen, damit Gespräche entstehen könnten. Gleichzeitig wurde die Metapher kritisch eingeordnet. Während sie laut Hanna Henke mitunter künstliche Gräben konstruiere, verwies Sebastian Kurtenbach auf reale Spannungen etwa bei Klima- oder Genderthemen, betonte jedoch zugleich die „unglaubliche Ressource der Generationensolidarität“. Mit seinem Begriff der „demographischen Schieflage“ verwies Sebastian Kurtenbach zudem auf veränderte gesellschaftliche Herausforderungen, die im Zuge einer wachsenden Überalterung auf uns zu kämen. Zugleich wurde deutlich, dass es zunehmend an gemeinsamen Räumen fehle, in denen unterschiedliche Generationen selbstverständlich aufeinandertreffen, während sich immer stärker homogenere Gruppen und fragmentierte Lebenswelten herausbildeten.
In der Diskussion mit dem Publikum verdichteten sich diese Beobachtungen. Ein Zuhörer fragte:
„Sollte das Leben nicht ein Miteinander sein?“
Sebastian Kurtenbach verwies in diesem Zusammenhang auf Einsamkeit unter jungen Menschen und fehlender Strukturen, die sie einbinden würden, während Hanna Henke die Bedeutung alltagsnaher Begegnungsräume betonte, etwa in nachbarschaftlichen Kontexten zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Einigkeit bestand schließlich darin, dass Verbindung vor allem über gemeinsame Ziele entstehe, die neue Aushandlungen erfordern. Daraus ergaben sich klare Impulse: Hanna Henke plädierte dafür, gesellschaftliche Gruppen nicht gegeneinander auszuspielen, während Sebastian Kurtenbach dazu aufforderte, zuzuhören, insbesondere den jüngeren Generationen.
Die Moderation führte Felix Kolb.
Das gesamte Gespräch gibt es hier zum nachhören: